Willkommen auf Lernprotest.de

Wie geht es Weiter?
Lesen Sie hier weiter oder tragen Sie sich in meinen Newsletter ein!

WEITER->

Diese Seite befindet sich im ständigen Aufbau.

Sie ist vor allem als Plattform für meine Kurse gedacht, aber auch zur Information und zum Austausch über Lernen, Biologie und Chemie.

"Kinder müssen lernen. Lernen, lernen, lernen. Das ist das lustigste, was man sich vorstellen kann."
Frau Mahlzahn, Augsburger Puppenkiste

Lustig, hmm? Aber falsch. Denn Kinder müssen nicht lernen. Sie wollen lernen! Oder noch besser: Sie lernen!
Und nicht nur Kinder: Menschen jedes Alters sind offensichtlich die lernfähigsten Lebewesen auf unserem Planeten. Wer einmal ausgiebig (wie ich) einem zweijährigen Kind zu sehen konnte, wie es die Welt entdeckt, der weiß, dass trotz aller Rückschläge nichts das Kind daran hindern kann, zu lernen. Und was ist das wichtigste Wort in diesem Alter? Selbaaaa!!!!

Woher nun also die Komik des Eingangszitates? Es ist das Bild, das wir vom Lernen haben. Muffiger Linoleumgeruch in einem Klassenzimmer. Ein endloser Monolog des Lehrers. Die Schüler gähnen. Ganz so sieht es zum Glück wohl meistens nicht mehr im Klassenzimmer aus, aber an diese Stimmung denken wir doch wohl meistens, wenn wir das Wort lernen hören. Und ganz so weit hergeholt ist es wohl auch nicht, sonst wäre die Anzahl der Kinder, die gerne in die Schule gehen einfach größer, wäre die Anzahl der frühpensionierten Lehrer geringer und unter Umständen auch (nicht schon wieder) unser Abschneiden bei PISA besser.

Warum also nun gelangweilte, störende Schüler, gestresste Lehrer und Frust bei den Hausaufgaben? Solange die Schüler keinerlei Mitspracherecht haben, was wann und wie gelernt wird, ist die Schule (wohl nicht immer, aber tendenziell) in ihrer heutigen Form eine respektlose Einrichtung, welche die Schüler auf eine respektlose Gesellschaft vorbereiten soll. Sie hat im allgemeinen Verständnis nicht den Stellenwert einer wertvollen Dienstleistung von etwas wertvollem, das Freude bereitet, sondern sie ist eine Schuld, welche der Schüler dem Staat zu erbringen hat. Gesetzlich zementiert in unserer Schulpflicht. Woher soll da die eigene Motivation kommen?

Unsere Gesellschaft hat in den letzten 50 Jahren einen Wertewandel durchgemacht: Vorbild ist (zum Glück) nicht mehr der disziplinierte Untergebene, der bis zum bitteren Ende seine Pflicht erfüllt. Wir leben in einer "Fun Gesellschaft". "Spaß" wird als leicht erhältliches, käufliches Gut gehandelt, an dem ganze Industriezweige, ja letztendlich größte Teile unserer Gesellschaft verdienen, und für Spaß sind die meisten Menschen zu hohen Anstrengungen bereit.

 

In meinen Kursen versuche ich, den Kindern die Wunder von Natur und Technik nahe zu bringen. Aber eines vor allem versuche ich zu vermitteln: den Spaß und die tiefe Befriedigung, selber etwas herauszufinden, Fragen zu stellen und selbst Zusammenhänge herzustellen, die eigenen Grenzen (wer die eigenen Grenzen erfahren darf, muss nicht ständig äussere Grenzen austesten!) und die Grenzen dessen, was die Menschheit weiß und kann zu erkunden, zu experimentieren, zu beobachten, Neues zu schaffen und sich damit selbst auszudrücken. Ich meine, dass dies Werte sind, welche auch auf lange Sicht in unserer heutigen "Fun Gesellschaft", die andererseits auch eine Gesellschaft ist, in der jedes Ding nach seiner "Nützlichkeit" bewertet wird, Bestand haben. Und dies ist meiner Meinung nach auch der Nährboden, auf dem Höchstleistungen gedeihen: Einstein und Galilei haben ihre Erkenntnisse weder für Geld noch für Ehre erworben, sondern aus ihrem Drang nach Erkenntnis und Wahrheit. Über diesen "Spaß" an der zunächst zweckfreien Erkenntnis der Natur einige Worte von Konrad Lorenz:


"Gestatten Sie mir, an dieser Stelle etwas über »Amateure« oder »Dilettanten« zu schreiben. Das Wort Amateur leitet sich vom lateinischen amare, »lieben«, ab, Dilettant vom italienischen dilettarsi, »sich an etwas ergötzen«. (...) Nur ein Mensch, der mit dem unerklärlichen Genuß eines Amateurs und der Verliebtheit eines Dilettanten auf das Objekt seiner Leidenschaft zu starren vermag, ist fähig zu entdecken, daß zum Beispiel der »Grunzpfiff« bei vielen Arten der Gattung Anas sehr ähnlich abläuft, aber in der Knäckenten-Löffelenten-Gruppe» etwas anders, oder daß das Paarungsvorspiel von Schwänen und Gänsen sehr ähnlich ist.
(...) Dies gilt aber auch für viele andere wichtige Erkenntnisse der Verhaltensforschung. Karl von Frisch, einer der hervorragendsten Biologen seiner Zeit, machte die aufregendsten Entdeckungen bei Bienen nicht in seinem Institut in München, sondern zu Hause im alten Gehöft in Brunnwinkel am Wolfgangsee (...)
Wir alle, Amateure und Dilettanten, können eine ganze Reihe großer Wissenschaftler zu unseren Mitgliedern zählen, und das gilt besonders für die Liebhaber von Wassergeflügel.
(...) Wenn ein Experte zum Wissenschaftler wird, dann spielt sich das oft ungefähr so ab: Der Experte, der noch gar nicht auf die Idee käme, sich für einen Wissenschaftler zu halten, liest und hört, was berühmte Wissenschaftler geschrieben und gesagt haben über das, worin er, der Experte, sich sehr gut auskennt. Dann merkt er zu seiner großen Überraschung, daß die berühmten Männer keine Vorstellung von dem haben, wovon sie reden, und daher völlig unsinnige Meinungen vertreten."
Konrad Lorenz - Eigentlich wollte ich Wildgans werden